Frohnaturen wollen Dornröschen wecken

Im Landgut Mahndorf ist neues Leben eingezogen. Yvonne und Nikolaus von Löbbecke sind mit ihren Kindern Ferdinand, Benedikt und Leopold in den Vorharz gekommen. Das Ziel des Quintetts ist glasklar: In Mahndorf wollen sie nun dauerhaft Wurzeln schlagen.

Langenstein/Mahndorf l Wenn die neuen Hausherren des alten Gutshofs in Mahndorf laut über ihre Pläne nachdenken, kommen sie schnell vom berühmten Hundertsten ins Tausendste. Wohnungen sollen entstehen, der Hofladen wieder ein Anlaufpunkt werden, die weitläufigen Stallungen genutzt und – natürlich – Konzerte stattfinden. Schließlich sind der Festsaal im Gutshaus sowie der angrenzende Garten und die weitläufigen Parkanlagen dafür geradezu prädestiniert. Kurzum: In das rund 17 Hektar große Gut, das zuletzt ein eher tristes Dasein gefristet hat, soll schon bald wieder „richtiges“ Leben einziehen.

„Wir haben 1994 unsere Verlobung hier gefeiert.“

Die Zwei, die ihre Lippen spitzen, um Dornröschen aus dem Schlaf zu küssen, sind vor kurzem aus dem Rheinland „eingeflogen“ und einfach nur rundum begeistert von „ihrem“ Mahndorf. Yvonne und Nikolaus von Löbbecke, die zuletzt in Straelen am Niederrhein gelebt haben, wollen gemeinsam mit ihren Kindern Ferdinand (13), Benedikt (11) und dem sechsjährigen Leopold in dem Langensteiner Ortsteil richtig durchstarten.

Dabei betritt das Quintett keineswegs Neuland, wie die 40-jährige Restauratorin angenzwinkernd ausplaudert. „Wir haben 1994 unsere Verlobung hier gefeiert und waren seither immer mal wieder zu Besuch.“ Als Gäste von Nikolaus von Löbbeckes Bruder Konstantin und dessen Frau Isa.

Mitte der 1990er Jahre gehörte ihnen das 1833 von Vorfahren errichtete Anwesen. Konstantin von Löbbecke hatte den einstigen Familienbesitz, der 1945 enteignet worden war, nach der Wende zurückgekauft und 13 Jahre lang selbst bewirtschaftet. Nachdem er 2005 das familiäre Rittergut in Dorstadt übernommen hatte, fehlte ihm die nötige Zeit für Mahndorf. Deshalb überließ er das Anwesen in diesem Sommer der Familie seines Bruders.

Und die ist nun wild entschlossen, Dornröschen nicht nur zu erwecken, sondern auch hübsch auszustaffieren. „Wir wollen sowohl Zeit als auch Geld investieren“, verspricht der 45-jährige Kaufmann, der aktuell noch in Mönchenglattbach mit Öko-Obst handelt. Quasi notgedrungen, wie er durchblicken lässt – „ich würde lieber heute als morgen meinen Job quittieren und ganz hierher kommen“.

Ein fest geplanter Schritt, der womöglich aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Ganz so, wie wohl viele Pläne, die die beiden mit „ihrem“ Gut schmieden, erst nach und nach angepackt werden können. Schließlich „kam dieses Mahndorf aus heiterem Himmel zu uns“, meint Nikolaus von Löbbecke lachend. Gleichwohl sind die Fünf von Löbbeckes glücklich, nun die fast 180-jährige Familientradition in Mahndorf fortsetzen zu dürfen.

Ihre Pläne reichen von ganz konkreten, aktuellen Schritten bis hin zu Ideen, die gegenwärtig bestenfalls visionären Charakter haben. Zunächst sollen im früheren Verwaltergebäude aus dem Jahr 1894 vier Mietwohnungen entstehen. Die Entkernungsarbeiten laufen bereits. Beim Umbau will sich die Restauratorin persönlich einbringen. „Die Wohnungen werden natürlich ganz modern – wir wollen aber alte Akzente wie Türen und Dielen erhalten und keinen Neubau im Altbau“, stellt Yvonne von Löbbecke klar.

„Wir wollen sowohl Zeit als auch Geld investieren.“

Für sie und ihren Mann dürfte mit der Ankunft in Mahndorf gewissermaßen eine Reise quer durch Deutschland ihren Zielbahnhof erreichen. Er stammt aus Dorstadt bei Wolfenbüttel, sie ist gebürtige Coburgerin und hat in Potsdam Restaurierung für Architektur studiert. Weitere Stationen waren Praktika und Aufträge, die Yvonne von Löbbecke unter anderem nach Magdeburg, Braunschweig und Tangermünde geführt haben. Auch am Neuen Palais in Potsdam habe sie ihre Handschrift hinterlassen dürfen.

Nun also sind die „kölschen Frohnaturen“ mit ihren Kindern und einem riesigen Sack voller Ideen in Mahndorf gelandet. „Wir sind von den Einheimischen ganz offen und mit Freude empfangen worden“, erinnert sich Nikolaus von Löbbecke an die ersten Begegnungen, die von einem Sommerfest gekrönt worden sind. „Von einem ersten“, wie der 45-Jährige ausdrücklich nachschiebt. Und „Fortsetzung folgt“ gelte auch für die geplanten Konzerte, die jüngst eine Premiere im kleinen Kreis erfahren haben.

Den „gewissen“ Kulturschock zwischen den vielen Metropolen im Ruhrgebiet und der vergleichsweise ruhigen Vorharz-Region nehmen sie dafür gern in Kauf. Auch wenn Eltern wie Kinder notgedrungen ihre Freunde am Niederrhein zurücklassen müssen. „Es fühlt sich gut an hier“, meint Yvonne von Löbbecke lachend. „Richtig gut“, ergänzt ihr Mann.

Kontakt zu den neuen Gutsbesitzern ist telefonisch über (0 39 41) 44 12 51 oder per E-Mail über „info@gut-mahndorf.de“ möglich

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